Wenn ich aus dem Haus gehe, ohne ein Ziel zu haben, wohin und wie weit gehe ich? Was war meine Motivation aus dem Haus zu gehen? Worauf habe ich mich vorbereitet? Auf eine Wandertour in den Bergen oder auf einen Stadtbummel? Gehe ich ins Café oder in den Park?

Ich kann mich treiben lassen, so dass die Zeit verstreicht und ich irgendwann wieder zu Hause bin. Wahrscheinlich hab ich einiges gesehen und erlebt, aber die Bewertung, ob es mir “etwas gebracht“ hat, liegt ganz subjektiv in meiner Art, wie ich das Leben grundsätzlich betrachte. Bin ich eher fokussiert und zielstrebig unterwegs und bestrebt, meine einmalige Zeit bestmöglich und in Bezug auf einen bestimmten Sinn zu verwenden, oder lege ich mich ungern fest und bleibe offen für vielerlei Varianten und Möglichkeiten?

Hier gibt es weder “richtig“ noch “falsch“ im klassischen Sinn. Doch wenn mir etwas wichtig ist, oder geworden ist und ich dies auf jeden Fall behalten oder erreichen will, sollte ich mein Verhalten und mein Tun entsprechend darauf ausrichten, ansonsten überlasse ich dem Zufall die Regie.

planvoll das ziel erreichen

Zielfindung ist im Coaching ein oft angefragtes Anliegen. Fragen sind: Wo stehe ich und wo soll oder will ich denn eigentlich hin? Was mache ich aus meinem Leben, meiner Karriere? Warum trete ich seit Jahren auf der Stelle und komme meinen sogenannten Zielen überhaupt nicht näher? Ob es nun darum geht, ein Ziel neu zu definieren, oder ein stetig nicht erreichtes Ziel zu analysieren – diese Fragestellungen helfen, herauszufinden, ob es sich lohnt, sich dafür einzusetzen:

1. Ist es wirklich IHR Ziel?

Wer hat noch oder ausschließlich etwas davon, wenn Sie dieses Ziel erreichen? War es Ihr ureigener Wunsch aus Ihnen selbst heraus, darauf hinzuarbeiten, oder handelt es sich eher um die Wünsche anderer, die Sie übernommen haben?
Ziele anderer mitzutragen kann über eine bestimmte Zeitspanne klappen, doch ohne eigene Überzeugung und Herzblut, fehlen die Leidenschaft und die Motivation, die es braucht, ein Thema über längere Zeit zu begleiten und zum Erfolg zu führen. Manchmal ändern sich auch während eines Zielerreichungsprozesses die Prioritäten und man merkt, dass es nur noch mit sehr viel Disziplin geht. Hier ist eine ehrliche Zielüberprüfung mit entsprechenden Konsequenzen angebracht, um sich nicht unnötig zu verausgaben.

2. Entspricht das Ziel Ihren persönlichen Werten?

Wenn Sie sich ein Ziel setzen, weil Sie denken, “das müsste man so machen“, oder “wenn ich die nächste Karrierestufe nicht erreiche, dann….“, dies jedoch überhaupt nicht Ihren eigenen Werten entspricht, weil sie sich eher unkonventionell bewegen und andere Werte für Sie grundsätzlich wichtiger sind, als Karriere, dann wird Sie die Zielerreichung zum einen sehr viel Kraft kosten und zum anderen nicht glücklich machen.
Achten Sie auf Ihre innere Stimme und bleiben Sie authentisch. Setzen Sie sich Ziele, die zu Ihnen passen und mit denen SIE sich wohl fühlen.

3. Wie realistisch ist das Ziel?

Ist es Ihr ernsthaftes Ziel, auf den Mond zu fliegen und dort ein halbes Jahr lang zu leben, obwohl Sie mit Raumfahrt überhaupt nichts zu tun haben, und seit 25 Jahren als Kunsthistoriker arbeiten?
Ein Ziel kann immer nur dann als ernsthaftes Ziel in Betracht gezogen werden, wenn weder körperliche noch geistige (respektive fachliche) Faktoren dagegen sprechen. Ansonsten ist es eher ein Traum. Gegen Träume ist nichts einzuwenden, doch wenn Sie faktisch etwas erreichen möchten, sollte dies auch realistisch machbar sein, sonst droht Traurigkeit und Frust.

4. Wie groß ist das Ziel?

Think Big! Klar, warum nicht? Aber bitte nicht alles auf einmal. Wer denkt, den Mount Everest sofort und im Nullkommanichts und ohne Bergkarte erreichen zu müssen, fängt gar nicht erst an, loszugehen.
Den Gipfel des Mount Everest können Sie erklimmen, wenn Sie es wirklich wollen und mit guter Vorbereitung, professioneller Ausrüstung und in Etappen. Geduld und Zähigkeit, auch wenn das Wetter mal schlecht ist und der Kletterpartner kränkelt, helfen, wenn es darum geht, den Plan umzusetzen. Denken Sie groß, planen Sie genau und kalkulieren Sie Schwierigkeiten mit ein, dann schaffen Sie jeden Berg und erreichen Ihr Ziel.

5. Kennen Sie Ihre Stärken und nutzen Sie sie?

Sein eigenes Potential zu kennen und als Handwerkszeug weiterzuentwickeln und einzusetzen ist das A&O. Wer nicht weiß, wo sein Potential liegt, kann dieses auch nicht gewinnbringend einsetzen.
Selbstreflexion und Potentialanalyse-Maßnahmen helfen, sich selbst zu Hinterfragen und eigene Stärken ans Licht zu bringen.

6. Wie eng ist Ihr Zeitfenster?

Was und wieviel verfolgen Sie gleichzeitig? Zu wenig Zeit bringt jedes Projekt zum Erliegen. Zu wenig Zeit ist auch Grund und Frustfaktor Nr. 1 bei Nichterreichung von Zielen. Seien Sie auch hier realistisch und bürden Sie sich nicht zu viel auf, damit der Schuss nicht nach hinten losgeht und Sie Sklave Ihrer Ziele werden.

7. Reicht Ihre Disziplin aus?

Sie kennen den Spruch: “Von Nichts kommt Nichts.“
Überlegen Sie sich gut, nach den o.g. Fragestellungen, ob es das Ziel wirklich wert ist, anderes hinten anzustellen. Passt es zu Ihnen und passt es in Ihre momentane Lebenssituation? Leidenschaft ist wichtig, doch sie allein reicht nicht aus für den Erfolg. Ohne Disziplin bleibt es eher ein Hobby, als ein ernstgemeintes Ziel.

8. Haben Sie an Unterstützer gedacht?

Reden Sie über Ihr Vorhaben und fragen Sie nach Unterstützung! Selbst wenn Sie Ihr Thema allein weiter treiben möchten, ist Unterstützung immer hilfreich, wenn es um Kontakte, Finanzen oder einfach nur Sparring geht.
Machen Sie sich eine Liste von Personen, Bekannten, Freunden, Familie, die Sie für bestimmte Belange fragen oder um Hilfe bitten können. Das gibt Sicherheit und das Gefühl, nicht alles alleine schaffen zu müssen. Schaffen Sie sich ein positives Umfeld. Allein das hilft, die notwendige Energie und Motivation aufrecht zu erhalten und schwierige Phasen zu überstehen.

—-
Ich wünsche Ihnen für das Jahr 2016 viel Erfolg bei der Erreichung Ihrer Ziele und passen Sie auf sich auf!