Kennen Sie das? Sie liegen im Bett, wachen langsam auf… es ist Wochenende… Sie müssen nicht aufstehen… Traumreste vermischen sich mit der zarten Wahrnehmung des Bewusstseins… Raum und Zeit…. Sie driften wieder in den Schlaf, das fragile Konzept von Raum und Zeit löst sich wieder auf…. Herrliche Ruhe und Entspannung….

Identität

Identität

DOCH DANN – der Zeitpunkt kommt gewiss – SIE WACHEN AUF UND SIE IST SIE WIEDER DA….

Die innere Stimme die tönt mit Sätzen, wie: “Ach, hätte ich doch…!“ oder “Was wäre wohl passiert, wenn ich…?“ in Ihrem Kopf.

Spätestens jetzt ist es vorbei mit Entspannung und Glückseligkeit. Die Fragen des Lebens müssen beantwortet werden. Und nachdem sich die Antworten nicht so einfach finden lassen, müssen die Fragen so oft wie möglich in alle Richtungen gewälzt und gewendet werden, bis man sich endlich wie gewohnt mies und schlecht gelaunt fühlt.

Aus meiner Sicht eine völlig überflüssige Übung. Sich unnütze Fragen, und damit sich selbst in Frage zu stellen bringt absolut keinen Mehrwert und ist nichts anderes als Zeitverschwendung.

Warum?

Die Fragen richten sich in die Vergangenheit. Dort gibt es aus jetziger Sicht nichts mehr zu holen. Der Moment des Handelns ist definitiv vorbei. Wäre man zu anderen Handlungen in der Lage und zudem entsprechend motiviert gewesen, hätte man anders gehandelt. Dies war nicht der Fall. Somit endet ein derartiges Gedankenkarussell lediglich in Selbstverurteilung und sollte deshalb tunlichst vermieden werden.

Wenn wir jedoch schon bei “Was wäre, wenn“-Fragen sind, dann gern in Bezug auf das aktuelle Denken und Tun. Das öffnet den Horizont für neue Ideen, bringt Inspiration und schafft so neue Sicht- und Handlungsweisen.

Was wäre also, wenn…

  • ich mich nicht mehr sofort angegriffen fühlen müsste
  • ich handeln statt zweifeln würde
  • ich lachen und weinen würde (wenn es mir danach ist)
  • ich mir selbst sage, dass ich toll bin
  • ich anderen sage, dass ich sie mag
  • ich einen Tag mal als Mann/Frau erleben würde
  • ich einen Tag lang als AustralierIn meinen Alltag bestreiten würde
  • ich anderen mehr zuhören würde, als selbst zu reden
  • ich von mir erzählen würde, statt still da zu sitzen
  • ich sonntags bei Regen rausgehen würde
  • ich überhaupt mal rausgehen würde, statt nur das Fenster zu öffnen?

Was wäre denn dann?

Wäre ich dann noch ich selbst?

Würde ich etwas gewinnen, oder etwas verlieren? Wenn ja, was wäre das?

Mir fällt auf, dass bei solchen Fragen, die Furcht etwas verlieren zu können um ein vielfaches höher ist, als der Gedanke, dass man etwas hinzugewinnen könnte.

Das ist interessant, denn es geht ja erstmal nur darum, etwas anders zu machen und nicht, dass man etwas aufgeben muss. Und dennoch wissen wir, dass nichts umsonst ist.

Es MUSS also etwas aufgegeben werden.

Das Aufgeben von Gewohnheiten und das Verlassen der kuscheligen Komfortzone sind der Preis. Dies bewirkt jedoch nicht den gefürchteten Verlust, sondern einen Gewinn.

Erweiterung der Selbsterfahrung und der Handlungsspielräume.

Heutzutage haben wir alle Möglichkeiten die eigene Identität frei zu entwickeln. Gaben früher Herkunft, Wohnort und familiäre Strukturen ganz klar vor, wer man ist und wer man zu sein hat, so hat man es heute um ein vielfaches leichter und zugleich schwerer, sich selbst zu (er)finden.

Das Alte will ich nicht, das Neue nimm ich nicht, oder frei nach dem Motto: “Wenn das die Lösung ist, will ich mein Problem zurück.“

Zusätzlich prallen Medien, Konkurrenzkampf und der Wunsch nach Einzigartigkeit bei all der Gleichmacherei aufeinander. Altbewährte Bezugspunkte wie Familie und Herkunft fallen weg. Die äußere Welt der Schnelllebigkeit und Austauschbarkeit gibt keine stabile Basis her. Wo, wenn nicht im Außen, ist nun also ein sicherer Ort, von dem aus Entwicklung, Identitätsbildung, Sicherheit und Resilienz möglich ist?

Wer sich dem Abenteuer der Grenzüberschreitung und dem Hinterfragen von Konditionierung hingibt, muss natürlich wieder Komfortzonen verlassen, wird dafür allerdings HerrIn im eigenen Haus und findet die Belohnung in sich selbst. 

Fangen Sie also an, die Fragen zu leben:

Wer bin ich?
Wer will ich sein?

Ich unterstütze Sie sehr gern dabei! 🙂